Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Für den dreizehnjährigen Noboru und seine Freunde ist die Erwachsenenwelt illusionär, heuchlerisch und sentimental. Nur der Seemann Ryuji bildet eine Ausnahme. Fasziniert vergöttert der vaterlose Noboru den Mann vom Meer und prahlt vor seinen Freunden mit dem Liebhaber seiner Mutter. Als er jedoch erfährt, dass sich Ryuji gegen das Leben auf See und für die Ehe mit Noborus Mutter entscheidet, fühlt der Junge sich verraten und beginnt, sein einstiges Idol immer mehr zu verachten. Wie konnte er sich so in dem Seemann täuschen? Noboru und seine Freunde fassen einen grausamen Plan.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2025
Zum Glück hat man sich bei der Frage, ob man dieses Werk neu übersetzen sollte, nicht auf die deutschen Kritiken berufen, die die Erstveröffentlichung flankierten, hält Rezensentin Irmela Hijiya-Kirschnereit fest. Als "schwach" beurteilte man das Werk damals - was für eine Fehleinschätzung das war macht die Kritikerin in der Folge deutlich: Im Gegenteil erweise sich Yukio Mishima als "versierter Erzähler" einer Story, die gegen Ende der Handlung zunehmend Thrillerqualitäten bekommt. Die Geschichte spielt in der Yamate-Gegend von Yokohama, so die Kritikerin, wo "die elegante Fusako" mit ihrem Sohn Noboru wohnt. Der ist Teil einer jugendlichen Gang, die ein archaisches Männlichkeitsbild hochhält und die Abhärtung ihrer Mitglieder in gewaltvollen Ritualen praktiziert. Als Mutter und Sohn den Seemann Ryuji kennenlernen, glaubt Noboru, endlich einen echten Mann und "richtigen Helden" gefunden zu haben, erzählt die Kritikerin. Die Handlung spitzt sich gegen Ende dramatisch zu, "fesselnd und kompakt" werden dabei für Mishima typische Elemente eingebaut wie Erotik und Tod, Liebe und Verrat eingebaut, bemerkt Hijiya-Kirschnereit, die auch die Figurenzeichnung lobt. Ursula Gräfes Übersetzung macht es außerdem möglich, den Autor im "coolen Erzählton" von Heute zu entdecken, schließt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2025
Rezensent Thomas Combrink vertieft sich in die nautische Begrifflichkeit und Bildlichkeit von Yukio Mishimas Roman von 1963 in der Neuübersetzung von Ursula Gräfe. Die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielende Geschichte um die Liebesbeziehung zwischen einer jungen Frau und einem Seemann und den Wunsch des Jungen der Frau aus früherer Ehe, diese Liebe zu vereiteln, besticht laut Combrink durch die stetige Zuspitzung der Konflikte und eine starke Bildlichkeit und Sinnlichkeit des Textes. Interessant erscheint dem Rezensenten auch die Thematisierung des wachsenden westlichen Einflusses auf die japanische Kultur. Vermisst hat Combrink einen Anhang zur Begriffsklärung.
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