Sie nennen es Baum

Die Mundart-Dichtung von Natascha Gangl vermischt Sprachmagie mit rätselhaftem Ernst. Von Marie Luise Knott

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Doppelte Überblendung

05.09.2026. Für die Rezensenten ist Maxim Billers "Schwarze Samstage" ganz klar eines der Bücher des Jahres: Tief beeinduckt verstehen die Kritiker, wie der 7. Oktober nicht nur die Seelen der Juden beschädigte, sondern die der Welt. Spott versteht sich bei Biller von selbst - mit Staunen vernehmen die Rezensenten in dem Buch auch sanftere Töne. Zweimal wird ein Reader über den modischen Begriff des "Postliberalismus" empfohlen - von taz und FAZ. Die Welt bespricht Monika Marons neuen Roman "Vier Minuten". Im Dlf feiert Maike Albath Dana Vowinckels neuen Roman "Anton und Alma". Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Die Schauder des Lustgruselns

05.09.2026. Die FAS wird nicht recht schlau aus dem Auftritt Boualem  Sansals beim Literaturfestival in Berlin. In der Welt erzählt Bernd Stegemann, wie ihn das angstlüsterne Berliner Theaterpublikum 2015 fast in die Arme der AfD getrieben hätte. Die FAZ besucht unter Bombenalarm eine Aufführung der "Odyssee" im Kiewer Iwan-Franko-Theater mit Soldaten des Asow-Regiments. Der Standard staunt, wie gut Sidney Sweeney die Rolle der lesbischen Boxerin Christy Martin in David Michôds Film "That's Why The Lady Is A Champ" verkörpert. Die Zeit entdeckt mit der Pianistin Yvonne Loriod auch eine unentdeckte Meisterin der Komposition. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Neue patriotische Tourismuskonzepte

05.09.2026. It's the Culture, Stupid! Morgen sind Wahlen in Sachsen-Anhalt. FAZ und FR befassen sich mit dem Kulturprogramm der AfD - es ist ein Graus. taz und SZ erinnern an den 11. September, aber der Islamismus und die Verwüstungen, die er seitdem anrichtete, sind kein Thema. In der FAS fragt Ronya Othmann: Von wem ist die Rede, wenn der "Globale Süden" beschworen wird (und von wem eher nicht so). Mehr...

IM KINO

Eine Wand von Frauen

04.09.2026. Die opulente Welt der Schönheit im Atelier und der Alltag des Patriarchats daheim: Ferzan Özpeteks "Diamanti" ist ein hinreißender Mainstreamfilm über die Geschichte der Kostümbildnerei und über weibliche Solidarität. Von Fabian Tietke. Mehr...

TASCHENBÜCHERBRIEF

Taschenbücherbrief: Wie in einem Fiebertraum

04.09.2026. Der neue Taschenbücherbrief ist da! Und da ist viel Schönes dabei: Jonas Lüscher geht auf einen atemlosen Trip durch die Länder und Jahrhunderte. Fiona Sironic jagt im vom Klimawandel ausgetrockneten Wald im Jahr 2050 Dinge in die Luft. Leon Engler blickt in das Gesicht des Wahnsinns. Volker Weiss entlarvt die Geschichtsklitterung der Rechten. Und Perlentaucherin Alice Fischer empfiehlt Jakob Heins berauschte DDR-Satire "Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste".   Von Alice Fischer. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Zwischen einem Petaflop und einem Exaflop

01.09.2026. Newlines begibt sich in gut belüfteten unterirdischen Kammern auf die Suche nach den geheimen Goldvorräten des Islamischen Staates. Außerdem erzählt New Lines die grausame Geschichte der Unterdrückung der Jesiden. Der New Yorker besucht Susan Te Kahurangi King, Neuseelands berühmteste Künstlerin, die sich durch Zeichnungen von Menschen mit Schweinegesichtern ausdrückt. Novaja Gazeta Europe berichtet von russischen Familien, die die falschen Leichen ihrer im Krieg gestorbenen Söhne zugeschickt bekamen. Modisch ist, wer den besten Fake besitzt, lernt der Dlf. Und Eurozine lernt, wie aufwändig es wird, dass vollständige menschliche Konnektom zu kartieren. Mehr...

FOTOLOT

Ein Totentanz, ein Fiebertraum

24.08.2026. Benita Suchodrevs Fotobuch "Find me paradise " ist ein fotografisches Memorandum, gebaut aus Ekstase und Routine, menschlichen Torheiten und Triumphen. Ähnlich rastlos wie Suchodrev, aber auf eine ganz andere, ungleich stillere Art, war auch Fred Hüning, der vor Kurzem verstorben ist. Für ihn zählte nicht das Prestige, sondern nur die Fotografie: Sein Fotobuch "One Circle" ist heute Anschauungsmaterial für den fotografischen Nachwuchs von Montréal bis Helsinki. Von Peter Truschner. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Christian Buckard: Café Babylon

09.08.2026. Der Glanz des Romanischen Cafés erstrahlte einst bis Paris, New York und Tokio. Hier traf man alle an: Bertolt Brecht, Mascha Kaléko und Joseph Roth, George Grosz, Marlene Dietrich und Albert Einstein. An den Marmortischen entstanden Bücher und Filmideen, wurden Kunstrichtungen geboren, wurde gestritten und geträumt - bis die Nazis die Lichter ausmachten. Christian Buckard erzählt die Geschichte der schillernden Cafébewohner in diesem Buch. Wir präsentieren das Kapitel über den Betreiber des Cafés, Bruno Fiering, den "Fürsten der Galut". Von Christian Buckard. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Necla Kelek: Glückskind

05.08.2026. Die Soziologin Necla Kelek hat sich als Kritikerin eines reaktionären, patriarchalen Islam einen Namen gemacht. In ihrer Autobiografie "Glückskind" erzählt sie, wie ihre Familie Anfang der 1960er aus Anatolien nach Istanbul zog. Die Keleks sind säkulare Muslime, die Atatürk verehren, an die Republik glauben, die Moderne und die Demokratie. 1966 dann zieht die Familie nach Deutschland, ins niedersächsische Bückeburg. Unterstützt von ihrer Familie begegnet Necla, damals neun Jahre alt, der deutschen Gesellschaft von Anfang an mit Neugier. Das geht bis zu Marxismusvorlesungen bei der IG Metall. Hier zwei Leseproben aus dem Buch: Über das Leben in Istanbul und dann in Bückeburg. Mehr...

INTERVENTION

Jene mühsam erkämpfte Freiheit

28.07.2026. Nach dem CSD-Attentat fragen die Medien nach einem möglichen Versagen der Behörden, zu diesem Zeitpunkt sicher zurecht. Aber das eigentliche Versagen lag vorher. Der Attentäter Abdul Ballout war Deutscher. Er sprach Deutsch. Er ist auf deutsche Schulen gegangen. Er wurde von deutschen Lehrern betreut. Ballout ist trotz seiner deutschen Sozialisierung abgedriftet. Was sagt das über die Qualität der Sozialisierung? Über einen Elefanten im Raum. Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Zwischenredestromland

21.07.2026. Der Perlentaucher hat mit "Toledo", dem Programm des Deutschen Übersetzerfonds, eine neue Kolumne - "Mind the Gap" gestartet: Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Im zweiten Teil der Kolumne schreibt die Russisch-Übersetzerin Olga Radetzkaja: "Es sollte mich nicht wundern, wenn gerade übersetzte Literatur wegen der Extraportion Leben, die sie enthält, zum begehrtesten Rohmaterial zählt, mit dem die synthetischen Gehirne der großen Sprachmodelle gefüttert werden." Von Olga Radetzkaja. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Leseprobe 2 zu H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. 1958 lud das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) H. G. Adler ein, "eine Arbeit nach eigener Wahl" aus seinem deutsch-jüdischen "Themenkreis" zu verfassen. Daraus entstand "Der verwaltete Mensch", ein Grundlagenwerk zu Rolle der deutschen Bürokratie bei der Verschleppung der Juden. Warum das IfZ damals diese Arbeit ablehnte, lesen Sie im zweiten Teil des Vorworts von Götz Aly. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. H. G. Adler veröffentlichte mit "Der verwaltete Mensch" ein grundlegendes Großwerk zum Holocaust, das die Rolle der Bürokratie bei der Vorbereitung und Umsetzung der Verschleppung und massenhaften Ermordung der Juden im Nationalsozialismus beschreibt. Im ersten Teil seines Vorworts zu dem Buch stellt der Historiker Götz Aly den 1910 in Prag geborenen Autor vor, der seine ganze Familie im Holocaust verlor. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...