Der rätselhafte Triumph der NSDAP am 14. September 1930: Wie eine Demokratie in nur einer Wahlnacht sterben kann
Heyne Verlag, München 2026
ISBN
9783453219243 Gebunden, 416 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
14. September 1930 - ein Teil der Deutschen ist entsetzt, doch der andere jubelt: In nur zwei Jahren hat die NSDAP ihre Wahlergebnisse mehr als verachtfacht und ist jetzt zweitstärkste Partei im Parlament. Wie konnte das passieren? Alle bekannten Antworten bieten bislang keine wirkliche Erklärung. Für einen neuerlichen Schock sorgt aktuell die AfD: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg steht eine gesichert rechtsextreme Partei wieder davor, stärkste Kraft zu werden. Philipp Ruch hat intensiv zum Aufstieg der NSDAP und zu Hitlers erstem Triumph geforscht und zeigt, wie dem Nationalsozialismus der Sprung von unwählbar zur Massenpartei gelingen konnte. Warum begeisterte die NSDAP plötzlich so viele Menschen? Welche Versprechungen waren derart unwiderstehlich? Und wie vermeiden wir, dass sich keine 100 Jahre später dieselben Falltüren in den Abgrund öffnen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2026
Rezensent Hilmar Klute liest das Buch des Leiters des Zentrums für politische Schönheit und Politologen Philipp Ruch über den Aufstieg der NSDAP und denkt die Entwicklungen im gegenwärtigen Deutschland immer mit, auch wenn der Autor das "Backshadowing" zu vermeiden versucht, wie Klute anerkennend feststellt. Dass Ruch den Ereignissen von 1930 aber "neue Deutungsfrische" mitgibt, vermerkt Klute auch und übersieht nicht die Links in die Jetztzeit, die Ruch in seine genaue historische "Faktenerzählung" einbaut. Über die Rolle der Propaganda (eher nicht so gewichtig) und die "Neuformierung politischer Moral" schreibt der Autor laut Klute überzeugend und zu düsteren Gedanken anregend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.09.2026
Rezensent Arno Widmann empfiehlt Philipp Ruchs Buch über den Aufstieg der NSDAP. Der Autor möchte uns keine Angst vor der AfD machen, indem er sie mit der NSDAP vergleicht, stattdessen hilft er uns, uns besser zu verstehen, meint Widmann. Spannend findet er Ruchs Nachzeichnung der Ereignisse um die Neuwahlen vom 14. September 1930, hörenswert seinen Aufruf, nur ja nicht die Demokratiefeinde zu hofieren, den der Autor mit einer Erklärung verbindet, wie es nach 1930 genau dazu kommen konnte. Widmann bekommt von Ruch auch allerhand Lektüreanregungen, vor allem aber erfährt er, dass es gilt, die Warnschüsse zu hören.
Rezensentin Otto Langels bewertet Philipp Ruchs Buch als warnenden Essay, der die unerwartete Machtübernahme der NSDAP am 14. September 1930 als Vorbild für heutige Gefahren sieht. Ruch analysiert den "rätselhaften Triumph" der Nazis, der laut dem Autor nicht durch Wirtschaftskrise oder Propaganda, sondern durch eine bislang unterschätzte Wählerwanderung von Enttäuschten und Nichtwählern ermöglicht wurde. Er kritisiert etablierte Historiker wie Ian Kershaw, deren Erklärungen er als unzureichend erachtet, und betont, dass der NSDAP-Erfolg bislang "verharmlost" werde. Gleichzeitig wirft Ruch einen Blick auf die aktuelle politische Lage in Deutschland, wo er den Aufstieg der AfD als potenziellen "Rückfall" der Demokratie sieht. Langels lobt den appellativen Ton des Buchs, vermisst jedoch eine konkrete alternative historische Studie und hält den Essay für weniger präzise als eine warnende Mahnung.
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