"Montaigne, die Imagination und die Kunst" beleuchtet den Zeitraum von Humanismus und Renaissance, der bislang von der Forschung für die Genealogie des Imaginationsbegriffes kaum beachtet wurde. Für die Literaturkritik war ein wesentlicher Ausgangspunkt ihn zu erforschen das 17. Jahrhundert mit seiner Ausgrenzung von Imagination in der cartesischen Bestimmung des denkenden Subjekts. In diesem Ausschluss vollzog sich aber zugleich eine Abriegelung gegen die vorherige Epoche und ihren prominentesten Vertreter, den Essayisten Michel de Montaigne. Dagegen stellt das vorliegende Buch die unhintergehbare Bedeutung der "Essais" für eine ästhetische Genealogie der Moderne heraus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2003
Sichtlich geärgert hat sich die Rezensentin Franziska Meier über die Habilitationsschrift der Romanistin Karin Westerwelle. Im Gegensatz zu ihrem Studienobjekt Montaigne, zeichne sich diese Schrift nämlich vor allem durch ihre "Behäbigkeit" und ihre "im doppelten Sinne erschöpfende Ausführlichkeit und große Eintönigkeit" aus. Und das erscheint der Rezensentin umso absurder, als es Westerwelle um den Begriff der "Imagination" geht. Montaignes "wohlbekannte" Skepsis gegenüber abstrakten Erkenntnisbegriffen wie der "raison" und dem "discours", nehme in dieser Arbeit eine programmatische Wendung, die in ihrer Starrheit dem kritischen und erfinderischen Blick Montaignes aufs Gröbste widerspreche. Besonders ärgerlich und "unerträglich" findet die Rezensentin allerdings die sprachliche "Aufgeblasenheit" der Arbeit. Sie wimmele nur so von "verbalen Ungetümen", Wortschöpfungen und klobig-anspruchsvollen Formulierungen. Und so ist das Fazit der Rezensentin eher an den Verlag gerichtet, als an die Autorin: "Das Buch schreit förmlich nach einem Verlagslektor, der wenigstens den schlimmsten Auswüchsen heutiger literarturwissenschaftlicher Schreibe Einhalt gebietet."
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