Aus dem Kroatischen übersetzt von Alida Bremer. Eine Frau sitzt in einer Bar und trinkt, um zu vergessen. Sie berichtet vom Krieg und von der Hochzeit in jener Nacht, in der er begann. Das Hochzeitskleid wird in diesem Roman zu einem Utensil für alle Lebenslagen. Ivana Sajko zerschneidet es zu Verbänden für Verwundete und Damenbinden, sie schläft in ihm in einem Flüchtlingslager, verschmilzt mit ihm zur Siegesfahne und bedeckt sich damit, als sie nach dem Krieg ihren Bräutigam bei den Behörden suchen geht, die die Listen der Toten und Vermissten verwalten. Den Krieg erspürt sie mit ihrem Körper, sie denkt mit ihrem Körper und zeigt, dass es nicht reicht, Dinge zu "wissen" - man muss sie "spüren", um sie zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2008
Als wäre immer noch Krieg in Kroatien, kommt es Judith Leister vor bei dieser Lektüre. Ivana Sajkos Romandebüt erscheint ihr als episch-theatralisches Rätselspiel. Die wild wechselnden und ineinander verschlungenen (weiblichen) Stimmen, Erzählperspektiven und Zeitebenen sieht sie zusammengehalten durch den Schauplatz Kroatien, die Eckdaten 1995 (Rückeroberung der Krajina) und 2005 sowie durch die allen Stimmen zugrunden liegenden Erfahrungen von Gewalt und Ohnmacht. Geleitet durch Fußnoten, die die realen politischen Ereignisse beim Leser in Erinnerung rufen, sieht Leister zu, wie die flüchtigen Figuren leiden und sich dennoch behaupten und dabei "paradoxerweise" extrem körperlich werden.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…