Henry Kissinger, ein Scheinriese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Auf diesen Nenner lässt sich sein politisches Denken und Handeln bringen. Zugleich verstand er es, sich zur Marke in Übergröße zu machen, egal, ob als Sicherheitsberater zweier amerikanischer Präsidenten, als Außenminister, Elder Statesman, Bestsellerautor, Politikberater oder Orakel. Sich immer im Gespräch zu halten, war und ist Kissingers größter Erfolg. Gestützt auf eine Vielzahl unbekannter Quellen, rekonstruiert Bernd Greiner das Leben eines Mannes, der für die Macht lebte und in die Geschichte eingehen wollte - mit allen Mitteln und um fast jeden Preis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2020
Stephan Bieling hat Respekt vor Bernd Greiners Recherchen, etwa in Nixons Tonaufzeichnungen aus dem Oval Office. Allerdings nutzt der Autor seine Forschungsfrüchte für Bieling auf enttäuschende Weise. Allzu sehr ist der Autor von Anbeginn festgelegt darauf, Kissinger als Fürsten der Finsternis zu zeichnen, als schlampigen Unterhändler, weinerlichen Schmeichler, skrupellosen Egomanen. Dass der Autor Kissinger kaum Positives abgewinnen kann, liegt für Bieling aber weniger an Kissingers miesem Charakter als an dem politischen und moralischen Spiegelbild Willy Brandts, das Greiner installiert und stilisiert. Immerhin findet Bieling die Biografie "gut geschrieben". Warum Kissinger immer wieder faszeniert, kann Greiner jedoch nicht erklären, bedauert der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.09.2020
Jörg Himmelreich lernt aus Bernd Greiners Kissinger-Biografie nicht zuletzt die Kontinuitäten der amerikanischen Politik kennen. Parallelen zwischen der Ära Trump und der Ära Nixon entdeckt Himmelreich zuhauf, wenn Greiner sich entlang von Kissingers Psychologie und Geltungssucht durch den Quellenschatz von 3.500 Stunden Gesprächsmitschnitten aus dem Weißen Haus ackert. Die Diskrepanz zwischen Kissingers Selbstbild und den Tatsachen scheint dem Rezensenten verblüffend. Eine hoch aktuelle Biografie über das Chamäleon im Weißen Haus, so Himmelreich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.09.2020
Für Franziska Augstein ist Bernd Greiners lang recherchiertes Buch über Henry Kissinger mehr als eine Biografie, ein "bleibendes Denkmal" und eine Darstellung der "Idiotien amerikanischer Außenpolitik" nach dem zweiten Weltkrieg. Wie Greiner das Gespann Nixon/Kissinger und Kissinigers Gockelhaftigkeit beleuchtet, das liest Augstein mit Schrecken und Lachen zugleich. Vietnam, Chile, Israel, Sowjetunion, Watergate - alle Stationen lässt Greiner laut Rezensentin mit Esprit Revue passieren. Für Augstein ein exzellentes Buch.
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