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Im Ententeich: Redaktionsblog

Diesen Kuss der ganzen Welt

Von Thierry Chervel (16.02.2012, 11:02)

Allenthalben wird in den deutschen Zeitungen mal wieder das "geistige Eigentum" verteidigt. Aus dem Internet schlägt diesen Artikeln, anders als zur Zeit der Print-versus-Blog-Debatte kaum mehr Widerstand entgegen – zumindest publizistisch nicht, denn natürlich sind die Artikel in den Zeitungen selbst Reaktion auf den erfolgreichen Protest gegen Acta.

Fassen wir zusammen, wo überall das "geistige Eigentum" in Anschlag gebracht wurde. Zunächst natürlich im Handelsblatt-Artikel des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling, der geradezu triumphierend den Sieg der wirklichen Welt über das Internet annoncierte. Darauf ergoss sich ein internettypischer Shit Storm über Heveling, der zeigte, dass auch die meisten Netzaktivisten nach dem üblichen Links-Rechts-Schema funktionieren. Heveling ist CDU, also meint man, er stehe für die Unfähigkeit der "Rechten", sich den neuen Gegebenheiten anzubequemen.

Aber es steht noch schlimmer um diese Debatte: Die Frage Pro oder Kontra Netz und Pro oder Kontra "Geistiges Eigentum" wird nicht entlang parteipolitischer, sondern sozialer Positionen beantwortet. Es ist wichtig zu verstehen, dass sich die Konfliktlinien in Internetdebatten durch alle politischen Richtungen ziehen. Es gibt Internetfeinde in der klassischen wie ökologischen Linken, bei den Liberalen und den Konservativen.

Wer in einer Zeitung gutes Geld verdient, wird verständlicher Weise ihre traditionelle Position verteidigen. Auch der Linke ... mehr lesen


Stichwörter: Digitalisierung, Geistiges Eigentum, Urheberrecht

Diskussion mit Boualem Sansal

Von Thierry Chervel (08.02.2012, 10:02)

Bild zum ArtikelAm 20. Februar werde ich mit Boualem Sansal im Auswärtigen Amt diskutieren. Es geht um seinen Roman "Harraga", die Lage der Frauen in den arabischen Ländern und die Figur des "Harraga", also des afrikanischen oder arabischen Flüchtlings, der von Europa träumt.

In der Ankündigung des Auswärtigen Amts heißt es:

"In seinem Roman 'Harraga' thematisiert Boualem Sansal die Rolle der Frauen in islamisch geprägten Gesellschaften und die Lebensumstände der perspektivlosen, illegalen Flüchtlinge aus Nordafrika. Lamia, die Protagonistin des Romans, arbeitet als Kinderärztin in einem trostlosen Krankenhaus in Algier. Die Abende verbringt sie allein in ihrem alten Haus und hängt Erinnerungen nach. Von ihrer Familie ist nur ihr Bruder Sofiane geblieben, doch dessen Spur verliert sich auf dem Weg ins 'Gelobte Land' Europa. Alles ändert sich mit dem Tag, an dem Chérifa vor der Tür steht: 16 Jahre alt, schwanger, ohne Zuhause. Lamia ist entsetzt − Chérifa schert sich einen Teufel darum, was ein junges Mädchen in der arabischen Welt tun darf. Sansals Hommage an die Frauen ist die vitale Geschichte zweier Heldinnen des Alltags."

Am Montag, den 20. Februar 2012 um 19 Uhr.

Der Eintritt ist frei.

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Stichwörter: Boualem Sansal

Spiel mit dem Feuer

Von Ina Hartwig (22.12.2011, 14:30)

Bevor der Papst im Deutschen Bundestag sprach, saß neben ihm der katholische, geschiedene und wiederverheiratete Bundespräsident Christian Wulff erwartungsvoll auf seinem Stuhl. Dieser hatte sich zuvor öffentlich gewünscht, das Oberhaupt seiner Kirche möge auf die geschiedenen wiederverheirateten Katholiken zukommen, offenbar in der Annahme, der Zeitgeist und die allgemein gelockerten Sitten würden diesem Papst das Herz erweichen. Der Wunsch blieb unerfüllt. Zwar neigte sich Benedikt XVI. in seiner Rede ziemlich gewieft den Grünen zu mit seinem Appell, das Kreatürliche zu achten; Christian Wulff, dem höchsten Amtsträger im Staat, kam er nicht entgegen. Der Katholik aus Osnabrück wurde von der "Sünde", das Sakrament der Ehe gebrochen zu haben, nicht erlöst.

Allein den Wunsch geäußert zu haben, deutete auf Christian Wulffs Gewissensdruck hin. Da der Privatkredit für sein Haus, der ihn dieser Tage in Bedrängnis bringt, im Zusammenhang seiner neuen Liebe, seiner zweiten Ehe, gewährt wurde, ist es nicht abwegig, die versuchte Verheimlichung eben dieses Kredits vor dem niedersächsischen Landtag mit dem Gewissensdruck in Verbindung zu bringen, der ihm aus der Scheidung erwachsen ist. Man könnte geradezu eine Vermischung zweier Gewissenskonflikte vermuten, des "katholischen" und des "politischen" schlechten Gewissens. So gesehen, wohnte die katholische Schuld im Haus der illegitimen Ehe, dessen Finanzierung ... mehr lesen


Stichwörter: christian wulff

Netz hat keine Grenzen

Von Thierry Chervel (20.12.2011, 15:12)

Lieber Jürgen,

am Anfang Deines Textes stellst du fest, wie das Ebook Grenzen niederreißt, am Ende willst du neue Grenzen hochziehen! Du bist der Erfinder des Libroids. Du weißt, dass sich das "Buch" im Zeitalter seiner Digitalisierung verflüssigt. Die Grenzen zwischen Autor und Verlag, zwischen Buch und Buch, zwischen erster und zweiter Auflage, zwischen Buch und Bibliothek, zwischen Schrift und anderen Kommunikationsformen, zwischen Buch und Publikum, zwischen Publikum und Verlag verschwimmen.

Im Grunde kann man sich fragen, ob all diese Begriffe überhaupt noch zutreffen, oder ob sie nicht Hilfskonstruktionen sind, Übertragungen von Begrifflichkeiten aus der alten Printwelt in die neue, noch gar nicht formierte, ständig in Bewegung befindliche digitale Welt. Hilke-Gesa Bußmann hat recht mit ihrem Kommentar zu Deinem Artikel: Die Frage ist, ob ein Ebook überhaupt ein "Buch" ist. (Auch auf Google Plus gibt es einen interessanten Kommentarthread zu dem Artikel.)

Wie sehr die Dinge im Fluss sind, zeigt ja schon der Blick ein paar Jahre zurück. Im Jahr 2000 benutzten wir schon mehr oder weniger alle das Internet. Aber Google war in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Die ... mehr lesen


Polizeijeijeijei...

Von Thierry Chervel (14.11.2011, 10:11)

Wie sang seinerzeit noch Extrabreit?

"Polizisten fahren stets zu zweit um dunkle Ecken durch die Nacht.
Polizisten müssen wissen
wer bei Nacht was Kriminelles macht.
Polizisten müssen wissen
was zu tun ist
denn sie haben Funkverkehr.
Polizisten schießen
wenn sie wissen
daß sie müssen
und aus Maschinengegenwehr. (...)"

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Boualem Sansal im Gespräch mit Thierry Chervel

Von (19.10.2011, 14:10)

Am Donnerstag lesen im Deutschen Theater, Berlin, Daniel Hoevels und Thomas Schumacher aus Boualem Sansals Roman "Das Dorf des Deutschen". Anschließend spricht der diesjährige Friedenspreisträger mit Thierry Chervel (Perlentaucher) über seinen Roman und den arabischen Frühling.

Am 20. Oktober 2011, 18.00 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro. Karten hier.

Am Freitag liest Johannes Karl in Tübingen aus dem Roman. Anschließend diskutiert Sansal wieder mit Thierry Chervel. Mehr Informationen bei der Osiander.de.

Freitag, 21.10.2011 | 20 Uhr
Tübingen, Neue Aula (Audimax), Wilhelmstraße 7
Eintritt 12 Euro

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Ekkehard Knörer geht zum Merkur

Von Thierry Chervel (05.10.2011, 09:10)

Dass Herausgeber Karl-Heinz Bohrer und Redakteur Kurt Scheel zum Jahresende den Merkur verlassen, ist schon länger bekannt: die FR meldete es im Mai. Nachfolger Karl-Heinz Bohrers ist der Kunsthistoriker Christian Demand. Nun ist auch bekannt, wer Kurt Scheel nachfolgt: Ekkehard Knörer, Filmautor und seit mehr als zehn Jahren auch Autor und Mitarbeiter des Perlentauchers, wo er unter anderem die Kolumne Im Kino mit aufbaute und von der Berlinale berichtet. Knörer ist auch Mitbegründer der Kinozeitschrift Cargo. Wir gratulieren! mehr lesen


Deutsche Zeitungen stehen kaum noch online

Von Thierry Chervel (04.10.2011, 14:10)

Anders als es die Zeitungen bei Online-Relaunches verlautbaren, wird ihr Internetangebot immer knapper. Jedenfalls kann man nicht behaupten, dass es noch die Zeitungen seien, die online stehen. Die Schaufenster der ihrer Online-Ableger haben mit den Zeitungen selbst immer weniger zu tun. Jüngstes Beispiel für diese etwas vertrackte Tendenz ist der Relaunch des FAZ.Nets. Mag sein, dass die Online-Redakteure der FAZ manch neue Rubrik erfunden haben, obwohl die Selbstdarstellung in der heutigen FAZ (die auch online steht) eigentlich nichts dergleichen bemerkt und vor allem auf das neue Layout eingeht. Die eigentliche Zeitung wird hinter dem Online-Auftritt immer mehr versteckt.

Deutlich wird das an der Aufgabe einer kleinen, oft unbemerkten Rubrik im bisherigen Auftritt der FAZ, der "FAZ Texte". Hier konnten Nicht-Abonnenten der Zeitung durch Lektüre der Überschriften und Unterzeilen immerhin feststellen, was in der Zeitung steht: Die Rubrik war ein Inhaltsverzeichnis der Printzeitung. Tendenziell jeder Artikel der Zeitung war hier aufgeführt. Als Abonnent konnte man sich einloggen und den Artikel am Erscheinungstag als html-Datei lesen. Diese Rubrik ist, so scheint es, nun abgeschafft.

Ausgerechnet für Abonnenten der Print-FAZ verschlechtert sich der Service des FAZ.Nets also durch den Relaunch! Wenn sie unterwegs sind, haben die kugen Köpfe ... mehr lesen


Robin Meyer-Lucht

Von Thierry Chervel (22.09.2011, 13:09)

Robins Erscheinung konnte täuschen. Mit seinen schicken Anzügen und seiner modernen Haartracht sah er aus wie einer, der was mit Medien macht, und zwar erfolgreich. Das stimmte ja auch. Aber hinter der eleganten Fassade verbarg sich kein Karrierist. Robin war ein Nonkonformist. Er war geschlagen mit einer blitzenden Intelligenz, die immer wieder mit ihm durchging. Freundlich war er, ja, und wollte es sein. Es konnte sein, dass er auf einer Podiumsdiskussion konziliant begann, aber am Ende lag bei aller Verbindlichkeit die Wahrheit glasklar auf dem Tisch. Wer genau hat den Medienwandel, der in den alten Medien lange kaum thematisiert wurde, in den letzten zehn Jahren so kritisch und begeistert begleitet?

Wir haben uns im Jahr 2002 kennengelernt. Robin war damals noch Assistent des unvergessenen SPD-Intellektuellen Peter Glotz, der in Sankt Gallen eine Medienprofssur innehatte. Robin organisierte für ihn ein Symposion mit Vertretern alter und neuer Medien. Die alten Medien mokierten sich damals über die neuen ? dabei hatten sie am allermeisten durch fehlgeleitete Werbekampagnen vom ersten Internethype profitiert. In der Süddeutschen Zeitung erschienen Nachrufe auf Amazon: Dieser Laden, so hieß es da, würde nie Gewinn machen. Dennoch war die Stimmung zwischen alten und neuen Medien noch nicht so vergiftet ... mehr lesen


Blasphemie und Freiheit

Von Thierry Chervel (07.09.2011, 15:09)

Am Sonntag - vielleicht nicht von ungefähr - dem 11. September - findet beim Literaturfestival Berlin eine Diskussion über "Blasphemie und Freiheit" statt, zu der Flemming Rose von Jyllands Posten eingeladen ist. Es geht also auch und vor allem um die Mohammed-Karikaturen und die Reaktion der westlichen Öffentlichkeit. Als Abgesandter des Perlentauchers bin ich zu dieser Diskussion ebenfalls eingeladen.

"Nach der Fatwa gegen Salman Rushdie, den Ereignissen in Zusammenhang mit der Veröffentlichungen von Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten und dem Mord an dem Minister für religiöse Minderheiten Shahbaz Bhatti in Pakistan ist die Frage, ob die Freiheit des Ausdruckes in Wort und Schrift von religiösen Bestimmungen relativiert werden kann und soll, äußerst virulent", schreibt das Literaturfestival zum Podium. Moderiert wird es von Jörg Lau von der Zeit. Außerdem nehmen Peter Raue, Philip Grassmann und Aiman Mazyek teil.

Am Sonntag, den 11.09.2011 um 18:00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24, 10719 Berlin.

Link zur Veranstaltung.

Thierry Chervel

twitter.com/chervel mehr lesen


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