Noch immer kämpfen migrantische Künstlerinnen und Künstler um Sichtbarkeit und Anerkennung, sieht Birgit Rieger für den Tagesspiegel in der Ausstellung "Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960" im Gropius Bau. Das Kuratorenteam Patrizia Dander und GürsoyDoğtaş haben eine Ausstellung mit verschiedenen Kapiteln seit 1960 gestaltet: "VlassisCaniaris' Assemblage 'Kind' verbreitet Siebzigerjahre-Flair, noch bevor man die Schau richtig betreten hat. Caniaris hat das Material für seine Installationen oft bei Besuchen in migrantischen Familien gefunden. So vielleicht auch den grün-gelb karierten Wollpullover, die Jeans-Schlaghose und das Bonanza-Fahrrad, mit dem seine 'Kind'-Figur ausgestattet ist. Den Kopf bildet ein zusammengerolltes Drahtgestell. Selbst die Kinder wurden in der Frühphase der Arbeitsmigration nicht als Individuen wahrgenommen. Solange ihre Eltern nur auf der Durchreise waren, durften auch sie nicht ankommen."
Für die tazunterhält sich Oliver Koerner von Gustorf mit dem Kurator Gürsoy Doğtaş, der ihm das Konzept der Ausstellung erklärt: "Wir gehen von den Werken aus und fragen von dort weiter, nach Stilen, dem Kritischen Realismus, der Fotomontage, der Pop Art, der Miniatur, und nach kuratorischen Gegenüberstellungen, die diese Unterschiede im Raum erfahrbar machen. Wir fragen, wie die Netzwerke organisiert waren, wer mit wem das Atelier teilte, wer gemeinsam ein Bild machte und welche Motive - der Stempel, der Koffer, die Kinder auf der Straße - Künstler*innen unabhängig voneinander fanden. Die Zeitgeschichte ist in alldem enthalten, sie ist der Stoff dieser Werke. Aber die Fragen, die wir an sie stellen, sind die der Kunstgeschichte. Viele dieser Künstler*innen hängen hier zum ersten Mal miteinander. Wir wollen sie in eine Kunstgeschichte einschreiben, die bisher ohne sie erzählt wurde."
Weiteres: Galerien sind vielleicht bald ein Ding der Vergangenheit, überlegtEmanuel Layr im Gespräch mit Steban Kobel für Monopol, seine Wiener Galerie löst er gerade auf. Ein Kunstsammler behauptet, ein Gemälde von Paul Klee zu besitzen, die Stiftung Paul Klee Zentrum spricht dem aber die Authentizität ab, Philipp Meier berichtet für die NZZ.
Besprochen werden die Ausstellungen "Derselbe Himmel" mit Fotografien von Ute Mahler in der Galerie Pankow (Berliner Zeitung) und "Schamanen Sibiriens - Zwischen den Welten" im Reiss-Engelhorn-Museum, Mannheim (FAZ).
Das Kröller-Müller Museum in Gelderland in den Niederlanden hat die größte private Sammlung an Van-Gogh-Gemälden, was der Stifterin Helene Kröller-Müller zu verdanken ist, die schon 1909 die ersten drei Bilder des Malers erworben hat, wie Regine Müller in der tazweiß. In der Ausstellung "Van Gogh: All unsere Bilder" werden die Gemälde nach Paaren und Gruppen sortiert, was vor allem dann überzeugt, "wenn die jähe künstlerische Entwicklung des Malers auf fast bestürzende Weise evident wird. Wenn auf den scharfen Blick und die noch gebändigte Malweise des frühen van Gogh die Farbexplosionen des späten folgen, das Hineinbohren in die Details, in Äste, Wurzeln und Blüten, das sich zugleich mehr und mehr befreit vom Gegenständlichen, sich auflöst in Farbe und Licht. Am meisten aber überrascht, dass diese Ausstellung sich der üblichen Pathologisierung des Malers verweigert, ohne dass seine psychische Erkrankung verschwiegen würde." Es wird gezeigt, "dass die Kunst für van Gogh ein Anker der Stabilität war und ein Medium für seinen spirituellen Grundimpuls."
Fast hätte die Rostocker Kunsthalle schließen müssen, nach dem Ende der DDR und der staatlich verordneten Museumsbesuche waren die Besucherzahlen stark eingebrochen, wäre da nicht der Zahnarzt Jörg-Uwe Neumann gewesen. Er hat die Kunsthalle ehrenamtlich übernommen. Mittlerweile kann er sich ein Gehalt zahlen, so erfolgreich ist sein Konzept, Gegenwartskunst und Populäres aus der DDR zu verknüpfen, wie Peter Richter in der SZ berichtet. Seine Devise: "Keine Angst mehr vor Figuration, auch nicht vor Kunst aus der DDR. Er holte die Skulptur-Ankäufe der Sechziger- bis Achtzigerjahre aus dem Depot und stellte sie in den Garten, wo sie sich jetzt gegenseitig zu bestaunen scheinen. Er zeigte den Rostockern wieder die alten Bekannten aus der Leipziger Schule, Tübke, Rink, Mattheuer, Sitte … Vor Letzterem habe die Bild-Zeitung eigens gewarnt - Zwischenfrage: Wegen der säftelnden Nackedeis? Neumann: 'Nee, wegen Kommunist' - und so erst recht für Andrang gesorgt."
Weiteres: Die Astoria Artshow war eigentlich ein Ersatz für die Messe Viennacontemporary, Boris Pofalla gefällt die Messe in der Wams aber so gut, dass er hofft, sie möge weitergehen. Für die FAZ schaut Nicole Scheuerer vorbei. Laura Helena Wurth sieht sich für die FAS auf der Lyon-Biennale um. Nicola Kuhn hat im Tagesspiegel "miese Laune", weil es auf der Baustelle des Berlin Modern, als Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts geplant, nicht vorwärts geht. Stefan Günther interviewt die Fotografin Petra Göllnitz für die NZZ zu ihren Arbeiten, die sich viel mit deutsch-deutscher Geschichte auseinandersetzen. Mit Freuden bestaunt Paula Jänig in der FAZ die detaillierten Illustrationen, die Anita Albus für das Buch "Der leidenschaftliche Gärtner" von Rudolf Borchardt gezeichnet hat. In Kopenhagen gibt es für Kunst-Fans eine Menge zu entdecken, wie Jens Bülskämper für den Tagesspiegel berichtet. Lisa-Marie Berndt interviewt die Fotografin Gisela Getty für Monopol, die sich in ihrem neuen Projekt "Age is a Strange Country" mit dem Älterwerden auseinandersetzt.
Besprochen werden die Ausstellung "Cy Twombly: Sperlonga 1959" in der Galerie Karsten Greve in Paris (FAZ) und Judith Rottenburgs kunsthistorische Studie "Die Kunst der Dekolonialisierung". Vom Aufbruch der afrikanischen Moderne und ihrer planetaren Vision" (FAZ).
Annegret Erhard reist für die Welt auf die griechische Insel Samos, wo die private Schwarz Foundation seit Jahren ein Kunstfestival veranstaltet, und zwar kein schlechtes, wie Erhard bei der diesjährigen Ausgabe bemerkt, die unter dem Titel "Fragments and Futures" Antike auf Gegenwart treffen lässt: "Zu den eindringlichsten Positionen der klug kuratierten und nicht im Geringsten auf mediterranes Flair und Urlaubsstimmung ausgerichteten Präsentation gehört das tönerne und wunderschöne Totem der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Griechin Natalia Manta. Die übermannsgroße Skulptur 'Faceless Entity' bezieht sich mit teils archaischen, ornamental gesetzten bildhaften Wissens- und Heritagefragmenten, mit anekdotischen Codes und kulturellen Verweisen auf die wechselvolle Geschichte der Insel. … Mit dem gesichtslosen Kopf beschreibt Manta den Begriff der Zeit als anonyme Kraft, die Geschichte und Kultur über die Jahrhunderte immer aufs Neue durchdringt."
Weitere Artikel: Die berühmte Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubljow aus dem 15. Jahrhundert, die Präsident Putin im Kriegsjahr 2023 aus der Moskauer Tretjakow-Galerie der russisch-orthodoxen Kirche übergeben hat, hat bei ihrem Umzug Schaden genommen, berichtet Kerstin Holm in der FAZ. Für die SZ besucht Verena Mayer Wiens neue Kunstmesse, die Astoria Artshow Vienna, und überlegt, ob Wien das "nächste große Ding" in der Kunstwelt wird. Welt-Kritikerin Martina Meister besucht den früheren Louvre-Chef Pierre Rosenberg, der seine riesige Sammlung dem neuen Musée du Grand Siècle in Paris schenkt. Im Monopol-Gespräch mit Elke Buhr erklärt Nanette Snoep, Leiterin des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums, deren Vertrag nun nicht verlängert wurde, den steten Widerstand gegen ihre Restitutions- undDekolonisierungspolitik: "Ich denke, das ist die Angst, dass man etwas verliert. Sei es Macht, sei es ein Weltbild." Oder sein Museum?
Zum Gaza-Konflikt will sie sich lieber nicht äußern, den Code of Conduct, der Antisemitismus und Rassismus vorbeugen soll, hat sie auch nicht unterschrieben: Im großen Zeit-Interview mit Hanno Rauterberg erklärt Naomi Beckwith, neue künstlerische Leiterin der Documenta, weshalb: "Weil die Kunst in Deutschland frei ist. Und wir müssen um jeden Preis den Eindruck vermeiden, Politiker hätten Einfluss auf den Inhalt der Documenta." Gefragt, wie sie sicherstellen wolle, dass die geladenen Künstler keine aktivistische oder antisemitische Agenda verfolgen, antwortet sie: "Oh, das kann ich nicht sicherstellen. Und will es auch nicht. Auch Künstler sind Bürger und also frei in ihrer Meinung. (…) Ich bewerte nicht politische Positionen, für mich zählt die künstlerische Praxis." Es werde auch keine Überprüfung geben, ob sich ein Künstler eine BDS-Petition unterschrieben habe: "Wir machen hier keine Background-Checks. Als Kuratorin prüfe ich die Werke, nicht die Künstlerin oder den Künstler." Es gehe ihr aber um "konstruktive Kunst", nicht um eine, "die nur darauf abzielt, eine emotionale Reaktion aus den Menschen herauszukitzeln".
Weitere Artikel: In der FRerinnert Arno Widmann an das einstige Künstlerpaar Marina Abramović und Ulay. Besprochen werden außerdem der Kunstparcours "Unheimliche Verschiebungen" am Hauptbahnhof Dortmund (taz), Peter Behrbohms "Road Damage City Tour" durch Kreuzberg (taz), die Ausstellung "Rembrandt 1632. Die Entstehung einer Marke" im Herzoglichen Museum in Gotha (FAZ) und die Ausstellung "Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960" im Berliner Gropiusbau, in der Werke von migrantischen Künstlern zu sehen sind, die die Lebensrealität der ehemaligen "Gastarbeiter" in Bildern und Skulpturen verarbeiteten: Darunter auch Selbstporträts von Emine Sevgi Özdamar, freut sich Birgit Rieger im Tagesspiegel.
Sophie Jung, Hilka Dirks und Anna Meinecke teilen in der taz ihre Eindrücke der diesjährigen Berlin Art Week und sind enttäuscht. "Alles so schön glatt hier", winkt etwa Dirks ab, auch mit Blick darauf, dass im Rohbau des Museums Berlin Modern Gordon Matta-ClarksArbeit "Doors Floors Doors" von 1976 noch einmal gezeigt wurde: "Was dann doch erschütterte, war die Biederkeit. Hatte man erwartet, dass im Stile Matta-Clarks in die Baustelle des Rohbaus eingegriffen werden würde, wurde man bitter enttäuscht: Was man sah, waren Filme. Die sind zweifellos toll, verwandelten aber die einst so radikalen Werke des Dekonstruktionskünstlers lediglich in museale Nostalgie und Sehnsucht. Nach einer analogen Zeit vor der kompletten Einverleibung jeden Funken Lebens in globale Markt- und Markenlogiken, die in dieser Art Week allgegenwärtig auf die Spitze getrieben zu sein schienen."
Besprochen werden außerdem Gunnar Eichholz' Text- und Bildband "Jugoslawien - Das Land, das es nicht mehr gibt" (Perlentaucher), die Ausstellung "Paloma Varga WEISZ" in der Synagoge Stommeln in Pulheim (Monopol), das Medienkunstfestival Ars Electronica in Linz (taz) und die Maurizio-Cattelan-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (NZZ, mehr hier).
Michaela Nolte berichtet für den Tagesspiegel von der Kunstmesse Positions, die als Teil der Art Week im ehemaligen Flughafen Tempelhof stattfindet und dieses Jahr den Länderschwerpunkt Türkei hat. Besonders hervor hebt sie die Arbeiten von Ramazan Can: "Wie kleine Schreine nehmen sich die Holzobjekte mit den stilisierten Tulpen aus. Hinter Neonröhren mit abstrakten Mustern lugt ein Stück Teppich hervor. Eingefasst in Beton, verweisen Ramazan Cans Arbeiten auf die Geschichte der Nomaden: auf ihre Tradition, die Kunst des Webens und die erzwungene Sesshaftigkeit. Da viele von ihnen in Holzhäusern wohnen, die sie bisweilen abbauen und an anderen Orten wieder errichten, steckt auch eine subtile Form des Widerstands darin."
Weiteres: Es wäre ein gigantischer Fehler, wenn Berlin die Art Week nach dieser 15. Ausgabe einstellen würde, findet Nicola Kuhn im Tagesspiegel, die Hauptstadt würde am falschen Ende sparen, wenn sie auf diese schrille, bunte, pralle Woche verzichten würde.
Katharina Rustler ist für den Standard auf dem koreanischen Ableger der Frieze Art Fair in Seoul unterwegs und stellt fest, dass sowohl koreanische Kunst als auch Kunst in Korea boomen.
Mukenge/Schellhammer, Fighting Demons, 2026. Courtesy the artists and Galerie Barbara Thumm, Berlin.
Das DUO - das sind Christ Mukenge und Lydia Schellhammer, die unter diesem Namen gemeinsam im Kongo und in Deutschland Kunst machen. Derzeit kann man ihre Werke in der Kunsthalle Gießen sehen. taz-Kritikerin Katharina J. Cichosch ist beeindruckt von ihrem Werk - "ein Hybrid aus überliefertem Wissen und angeeigneten Mystiken im Vielvölkerstaat Kongo, aus europäischer Kunstgeschichte und zeitgenössischer Straßenkunst Kinshasas, zu der die analoge ebenso gehört wie die virtuelle Realität" - aber auch von der Klarheit, mit der die beiden auf den Kunstmarkt blicken: "Ironischerweise bringt die sich selbstreflektiert gebende Kritik am Eurozentrismus mitunter wahrlich eurozentrische Haltungen hervor. Was Europa wichtig ist, interessiere in Kongo im Zweifel niemanden, bestätigt Schellhammer. Gleichzeitig sieht sie, wie Vorlieben des Kunstmarkts mit seinen ökonomischen Fliehkräften ebensolche Bilder zementieren helfen: 'Von afrikanischen Künstlern wird immer erwartet, dass sie 'authentisch' sind.' Wider die Vereinnahmung bezeichnet sich das Duo selbst als transnational und postpostkolonial. Ein Begriff, der die Brutalität historischer Tatsachen nicht ausklammert, aber sich von ihren Vorstellungen auch nicht bestimmen lässt. Überhaupt ist das Interesse an Verwandlung bestimmend für die gemeinsame Arbeit der beiden."
Auch in der Welt berichtet Gesine Borcherdt einigermaßen fassungslos über die Pressekonferenz in der Neuen Nationalgalerie mit der Vorsitzenden des Qatar Museums (siehe auch unser Resümee gestern): Ausgerechnet in dem Raum, in dem Gerhard Richters "Birkenau"-Zyklus hängt, gab Al-Mayasa bint Hamad bin Chalifa Al Thani bekannt, dass das Emirat Katar einen von Richter entworfenen Ausstellungspavillon in Doha baut. Gibt es da nicht einen Widerspruch, fragt Borcherdt: "Denn der Staat tritt in jüngster Zeit als Vermittler im Nahost-Konflikt auf, hat aber jahrelang die Hamas unterstützt und ihren Anführern Zuflucht gewährt, also jener Terrororganisation, die am 7. Oktober 2023 das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust verantwortet. Gereiztheit macht sich breit. Scheicha Al-Mayasa, die zuvor Dialog und Austausch als ihre obersten Werte erklärt hat, fragt zurück: 'Was hat der Holocaust mit Richters Kunst zu tun?' Verwirrt verweist man auf die Ausstellung, in der sie sitzt."
Weitere Artikel: Das berühmte Foto des "fallenden Milizionärs" von 1936 wurde möglicherweise nicht von Robert Capa geschossen, sondern von dessen Freundin Gerda Taro, berichtet Patrick Illinger in der SZ.
Besprochen werden die Gabriele-Stötzer-Ausstellung im Berliner Gropiusbau (Welt), die Ausstellung "Night. Maurizio Cattelan" in der Neuen Nationalgalerie Berlin (FAZ, FAS, taz-Kritikerin Sophie Jung kann die Ausstellung zwar empfehlen, aber sie ärgert sich, dass der längst arrivierte Cattelan der Preis der Neuen Nationalgalerie erhält, der bislang jungen unbekannten Künstlern vorbehalten war), die Ausstellung "Rodin selon Rilke" in der Fondation Pierre Gianadda im Schweizer Städtchen Martigny, die Rilkes Faszination von Rodin nachgeht (NZZ), die Ausstellung "Ikonen" mit ausgewählten Werken aus der Sammlung des Kunsthauses Zürich (NZZ-Kritiker Philipp Meier betrachtet vor allem Monets "Seerosen" und Bacons Triptychon) und Catherine Opies Fotoserie "700 Nimes Road" zu Liz Taylorohne Liz Taylor im Louisiana Museum in Kopenhagen (SZ).
Es ist immer wieder erstaunlich, wer alles korrumpierbar ist: Ausgerechnet Gerhard Richter, Schöpfer unter anderem des Birkenau-Zyklus, wird das neue Prestigeprojekt von Qatar, verkündete Scheicha Al Mayassa bint Hamad bin Khalifa al Thani, Chefin der zentralen Kulturbehörde Qatar Museums und Schwester des regierenden Emirs gestern in der Neuen Nationalgalerie in Anwesenheit von Klaus Biesenbach. "In der Nähe des Museums für Islamische Kunst wird ein sechseckiges Bauwerk namens 'Doha Pavilion' stehen, das von Richters Künstlerbuch 'Patterns' (2011) und seinen 'Strip'-Bilder inspiriert ist und sie auch beherbergen wird", erfahren wir von Ingo Arend bei Monopol. Richter selbst ließ verlauten: "Architektur und Geschichte der Stadt inspirierten mich zu der Idee für einen Pavillon, der die thematischen Stränge dieses Werkes in sich vereinigen würde. Doha ist der richtige und gleichzeitig der einzige Ort für meinen Pavillon". Kritische Einwände wurden auf der Pressekonferenz von der Scheicha weggelächelt, berichtet Arend: "Die Journalisten-Frage, wie Gerhard Richters Aufarbeitung des Holocaust - etwa in seinem 'Birkenau'-Zyklus von 2014 - zu einem Land passe, das die Hamas unterstützt habe, gab die Scheicha mit dem Verweis auf die knieende Hitler-Figur und die Asche im Feuerlöscher zurück, mit der Maurizio Cattelan in seiner gerade eröffneten Schau die Frage nach der deutschen Verantwortung aufgenommen hatte."
Franz Marc: "Der tote Spatz". 1905. Privatbesitz. Bildquelle: Wikipedia Wem jetzt nach "Eskapismus" zumute ist, dem rät Stefan Trinks in der FAZ zum Besuch der großen Franz-Marc-Retrospektive im Düsseldorfer K20, deren erklärtes Ziel es ist, "etwas Erhebendes als Antidot zum täglichen Starren in Abgründe zu bieten." Dabei zeigt die "fulminante" Schau, dass Marc weit mehr war als nur ein Maler fröhlicher Tierbilder, notiert Trinks etwa mit Blick auf das frühe Gemälde "Der tote Spatz" von 1905, "dessen noch leicht nach oben weisende Flügel eine Restenergie oder Auferstehungshoffnung bis zuletzt aufzuweisen scheinen und ein geradezu unheimliches Echo im aufgewühlten erdfarbenen Hintergrund erzeugen. … Am 'Toten Spatz' zeigt sich, warum selbst heute, 110 Jahre nach Marcs Tod, die Tierbilder unmittelbar berühren: Man kennt und teilt instinktiv viele der Gefühle, die hinter und in ihnen stecken." In der Welt enthüllt Boris Pofalla zwölf vermeintlich unbekannte Fakten über Marcs Leben.
Weitere Artikel: In der SZ gibt Peter Laudenbach einen Überblick über die Berlin Art Week. Im Tagesspiegel erklärt Udo Badelt am Beispiel der Berliner Alfred-Ehrhardt-Stiftung, wie man einen Künstlernachlass vorbildlich verwaltet. Ende 2027 soll sogar ein eigenes Museum in Plüschow in Mecklenburg-Vorpommern, entworfen von Francis Keré eröffnen. Im Standardmeldet Katharina Rustler, dass Lonnie Bunch, Leiter des Smithsonian, die Institution verlässt. Noura bint Mohammed Al Kaabi, Staatsministerin im Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate, träumt drei Monate vor Eröffnung des Guggenheim Abu Dhabi von noch mehr kultureller Expansion, wie sie im Monopol-Gespräch mit Elke Buhr verrät: "Vielleicht werden die Bohrinseln eines Tages Kunstinstallationen werden... Ich wünsche mir, dass irgendwann Kuratorinnen aus den VAE nach Deutschland kommen und dort Ausstellungen machen..."
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "The Defeated: The Aesthetics of Resistance 2026" in der Stockholmer Bonniers Kunsthalle, die Peter Weiss' Dokuroman "Ästhetik des Widerstands" mit Werken moderner Kunst zusammenbringt, um nach einer "Vision eines Widerstands gegen den Faschismus" zu suchen: Dass mit der Arbeit "Oracles" des tschechischen Künstlers Zbyněk Baladrán ein Werk zur Israelkritik prominent platziert wird, "während solche zum erstarkenden Rechtspopulismus, dem eigentlichen Gegner, fehlen", verleiht der Ausstellung allerdings eine "merkwürdige Unwucht", meint Ingo Arend in der taz.
Niki de Saint Phalle, Schießbild TIR aus der Edition MAT, 1964 Oft als zu kitschig und naiv abgetan, eignet der Kunst von Niki de Saint Phalle doch etwas ungezügelt Zorniges, Zotiges und Anarchisches, stellt ein hingerissener Hanno Rauterberg in der Zeit in der heute eröffnenden Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast fest: "Ihre Werke sind Schwellkörper des Aufbegehrens. (…) Das Fruchtbare und das Todbringende gehören bei Niki de Saint Phalle unbedingt zusammen. Besonders deutlich zeigt sich das in ihren frühen Werken, als sie sich als eine Art mordende Malerin betätigte. Als 'Terroristin der Kunst', wie sie selbst es formulierte. Nicht mit Pinsel und Farbe trat sie vor die Leinwand. Stattdessen griff sie zu Pfeilen, Messer und Beilen, hieb, stach, schlug auf ihre Bilder ein. Am liebsten schoss sie darauf mit dem Gewehr, Kaliber 22. Zuvor hatte sie die Werke präpariert, hatte Steine, Samen, Cola-Flaschen darauf verteilt, manchmal auch Eier und Spaghetti, und alles mit einer dünnen Haut aus Gips überzogen. Hier und da gab es in ihren Collagen kleine Beutelchen, stramm gefüllt mit Farbe. Dann stellte sie sich schussbereit vor die Leinwand und ließ es knallen."
Weitere Artikel: Auf den Wissensseiten der Zeit schreibt Viola Kiel zu den Hintergründen des Teppichs von Bayeux, der aktuell im British Museum gezeigt wird (unsere Resümees). In der FAZ ist Stefan Trinks enttäuscht von der Schau, darf er den Teppich doch nur maximal vierzig Minuten hinter Glas bestaunen. In der NZZ schreibt Marion Löhndorf. In der Kulturbeilage der Zeit denkt Berit Dießelkämper anlässlich der im Dezember startenden Ausstellung "SurFace. Über Haut" im Frankfurter Städel Museum über Haut nach.
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Gillian Anderson (Hg.): MORE Aus dem Englischen von Claudia Amor, Sylvia Bieker, Gisela Fichtl und Anke Wagner-Wolff. Nach 'WANT' kehrt Gillian Anderson mit 'MORE' zurück - einem noch internationaleren…
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