Scharfe Worte richtet Gustav Seibt in der
SZ an die drei Historiker
Dominik Geppert,
Andreas Rödder und
Claudia Weber, die vergangene Woche in der
FAZ vor den "Tücken" historischer Analogien warnten, etwa mit Blick auf die Debatte über einen "neuen Faschismus" (
unser Resümee). "Zutreffende Überlegungen hart am Rande von Binsenweisheiten" attestiert Seibt den Autoren, ärgert sich aber besonders darüber, dass sie ein Szenario entwerfen, in dem sich die AfD wie die "ursprünglich in Teilen systemoppositionelle Grün-Alternative" ins politische System der Bundesrepublik integriert: "Im Kern läuft diese Überlegung darauf hinaus, der
AfD eine Chance zur Bewährung zu geben. Was mit den Grünen geklappt hat, könnte doch auch mit den Rechten funktionieren? Es wäre eine eigene längere Erörterung wert, diese letzte Analogie abzuklopfen, etwa im geradezu diametral entgegengesetzten Verhältnis zur historischen Zeit: bei den Grünen nach vorwärts, in eine entworfene Zukunft, bei der AfD programmatisch zurück in ein
imaginiertes früheres Deutschland ohne Ausländer, um nur den wichtigsten Punkt zu nennen. (...) Die beiden anderen Analogie-Vorschläge - 1933, 1989 - sind Extrembeispiele, die die Erörterung eigentlich nicht lohnen. Sie haben offenkundig nur den rhetorischen Zweck, den
Vergleich der AfD mit den Grünen weniger abwegig erscheinen zu lassen."
Die
Natur sollte Persönlichkeitsrechte erhalten, die dann von Naturschutzverbänden vor Gericht eingeklagt werden können,
fordert Björn Hayer in der
FR. Das sei mehr als Symbolpolitik, die Natur würde ein Mitspracherecht bekommen und müsste bei politischen Entscheidungen mitgedacht werden. "Wer, wie der Rechtswissenschaftler
Klaus Ferdinand Gärditz, bei dieser möglichen Grundgesetzänderung die Menschenwürde in Gefahr sieht, könnte einem Trugschluss auflaufen. Denn erst indem man die
Natur menschenähnlich behandelt und bewahrt, bleibt jenes Milieu erhalten, das uns ein freies und gedeihliches Dasein ermöglicht. Ohne eine intakte Ökosphäre gibt es schlichtweg keine Zukunft für die humane Zivilisation. Wir müssen Würde also planetarisch denken, als Zelt, das uns allen Obdach bietet. Sie als etwas Trennendes oder exklusiv dem Menschen Zugehöriges anzusehen,
birgt eine unterschätzte Gefahr, nämlich ihre Abschaffung."
Vor 250 Jahren starb
David Hume. Was macht den schottischen Philiosophen heute noch lesenswert, will Michael Hesse in der
FR von dessen Biografen, dem Philosophen
Jens Kulenkampff,
wissen: Der verweist etwa auf Humes Überlegungen zum "
Trittbrettfahrerproblem", also was passiert, wenn Individuen sich nicht an gesellschaftliche Grundsätze halten, die dann das ganze System destabilisieren: "Hume erkennt, dass soziale Institutionen erodieren würden, wenn jeder bei jeder Handlung ausschließlich auf seinen unmittelbaren individuellen Nutzen achtete. (...) Nehmen Sie den öffentlichen Nahverkehr. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kontrolle sehr gering ist, ist es aus rein individueller ökonomischer Perspektive völlig rational, kein Ticket zu kaufen. Wenn das aber genügend viele Menschen tun, funktioniert das System irgendwann nicht mehr. Die Haltung '
Natürlich kauft man eine Fahrkarte' stabilisiert das System. Der Einzelne trägt zunächst Kosten, profitiert aber zugleich davon, dass die Institution erhalten bleibt."