Auch in
China macht man sich
Sorgen über KI,
erzählt Fabian Kretschmer in der
taz. Dabei geht es allerdings um den Machterhalt der Regierung. Ausgerechnet Chen Yixin, Minister der berüchtigten Staatssicherheit, warnt in einem
Essay vor Gefahren der KI - die er vor allem in einem
Kontrollverlust der Regierung sieht. Dabei hat China schon das subversive Potenzial des Internets erfolgreich gebändigt: "Längst hat sich die Paranoia in Selbstbewusstsein verwandelt: Denn die Partei hat entdeckt, wie sie die digitalen Plattformen als
Instrument politischer Kontrolle und Propaganda nutzen kann. Diesen Kurs fährt sie nun auch bei künstlicher Intelligenz. Chinesische Anbieter generativer KI werden bereits stark inhaltlich reguliert. Wer etwa mit dem in Hangzhou entwickelten
DeepSeek über die Biografie von Staatschef Xi Jinping sprechen, mehr über die Kulturrevolution erfahren oder nach den Antiregierungsprotesten zum Ende der Coronapandemie fragen möchte, wird sofort abgewürgt. Die Parteiführung hat der Branche auch strikte Vorgaben bei der Kennzeichnung von KI-Inhalten auferlegt. Onlineplattformen müssen dafür sorgen, dass sie keine nach chinesischem Recht verbotenen Inhalte verbreiten und den Jugendschutz einhalten. Die Regulierungen sind also im Vergleich mit den USA strikter."
Nächsten Donnerstag will Donald Trump mit Chinas Staatschef Xi in Washington über die Gefahren Künstlicher Intelligenz reden. "Ganz oben auf der Agenda steht die Einrichtung eines belastbaren Kommunikationskanals, ähnlich dem
Roten Telefon zwischen den USA und der Sowjetunion während des Kalten Krieges, der damals einen versehentlichen Atomkrieg verhindern sollte", erzählt der amerikanische Sozialwissenschaftler
Kyle Chan im Interview mit
Zeit online. Allerdings sind die Chinesen gar nicht so erpicht darauf, eine Superintelligenz zu entwickeln, meint Chan: "Die Chinesen halten KI für transformativ, aber sie konzentrieren sich insgesamt stärker darauf, die
KI als Basistechnologie möglichst effizient anzuwenden. Zumal die Führung befürchtet, dass sie durch eine sich verselbstständigende Superintelligenz die Kontrolle über die Gesellschaft verlieren könnte. ... Sie fürchten zum Beispiel, dass
Deepfakes von Parteikadern in Umlauf gebracht werden könnten, denen falsche Dinge in den Mund gelegt werden - dass ein KI-generiertes Double von Xi Jinping etwa eine Ankündigung macht, die er tatsächlich nie gemacht hat."
Er könne überhaupt nicht begreifen, dass sich so wenige Menschen
außerhalb der Techbranche für die enormen Risiken der KI interessieren, erklärt
Bill Gates, der die gleichzeitigen Vorzüge von KI nicht leugnet, im Interview mit Zeit online. "Ich sehe keine ausreichend breite gesellschaftliche Reaktion. Das überrascht mich. Wir brauchen Ökonomen, Sozialwissenschaftler und Politiker, die sich damit befassen. ... Wir können nicht erwarten, dass sich die Branche selbst reguliert. Ihre Vertreter sprechen sogar offener über ihre Sorgen als viele andere. Was mir fehlt, ist der Rest der Gesellschaft. Der Staat muss hier eingreifen. Nur Regierungen können von den KI-Firmen fordern, ihre Programme langsamer zu entwickeln. Wir müssen überwachen, ob jemand versucht, mithilfe von KI
Biowaffen zu entwickeln. Ähnlich wie es bei der Flugsicherheit oder bei Atomwaffen geschieht. Aber es fließen viel zu wenig Fachwissen und Zeit in diese Themen. Das ist ein Weckruf an alle außerhalb der Branche, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden."